| Ehrenamtliche Hilfe |
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| Written by Administrator |
| Friday, 26 November 2010 14:29 |
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Leitsatz Die erklärte ,,Krise” des Sozialstaats und seine zunehmende Weigerung, in Notlagen entscheidende Hilfen zu leisten, führen zu einer dramatischen Verschärfung von materieller Armut, zu W0hnungs-, Arbeits- und Perspektivlosigkeit. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass Menschen aufeinander angewiesen sind und die Verantwortung dafür nicht allein dem Staat und der organisierten Hilfe zu überlassen ist. Menschen wollen helfen und tun dies in den meisten Fallen vorbildhaft: niedrig schwellig, unbürokratisch, unmittelbar Ehrenamtliches Engagement entwickelt sich aus wahrgenommenen Krisen. Die durch bürgerschaftliches Engagement getragenen Einrichtungen der Nothilfe sind insofern auch ein beunruhigendes und alarmierendes Symptom dafür dass sich die Bundesrepublik von einer wirksamen Grundsicherung für Menschen in Armut immer weiter entfernt. Wer sich für Wohnungslose engagiert, verdient Anerkennung. Die Person reagiert auf eine Entwicklung, die als Sozialabbau identifiziert wird und setzt sich zugleich für mehr Solidarität ein. Essen zu verteilen ist humaner und sinnvoller als nach der Polizei und nach einem starken Staat zu rufen. Ehrenamtliches Engagement richtet sich auch gegen Gewalt, Ausgrenzung und Stigmatisierung.
Personenkreis Mit ehrenamtlicher Hilfe ist das bürgerschaftliche Engagement in der sozialen Arbeit gemeint, das mal als ,,Gratisarbeit", ,,unentgeltliche Hilfe", mal als ,,freiwillige”, ,,unprofessionelle", ,,private” oder ,,Laienarbeit” beschrieben wird. Das bürgerschaftliche Engagement in dem hier verstandenen Sinne lasst sich aber nicht auf diese Begriffe reduzieren. Es zeichnet sich aus durch • direkten Kontakt zu Wohnungslosen, • persönliches Engagement, ohne durch verwandtschaftliche Beziehungen oder durch ein Amt dazu verpflichtet zu sein, • aul3erberuf|ichen Einsatz, der von der Erwerbsarbeit abgegrenzt ist, • eine Orientierung am Nutzen Dritter und nicht (nur) an der Verfolgung eigener Interessen. Unterscheiden Iassen sich drei Gruppierungen Ehrenamtlicher: • Menschen mit einer anderen Professionalität. Sie bringen berufliche Fachkompetenz aus ihrem Umfeld mit. • Menschen ohne spezifische professionelle Kompetenz, aber mit einem privaten, evtl. unreflektierten Hilfeimpuls. • Ehemals Wohnungslose, die als ,,Insider" oftmals eine ergänzende Perspektive einbringen können.
Problembeschreibung Die Gefahr ist allgegenwärtig, dass ehrenamtliche Hilfe gegen die organisierte Wohnungslosenhilfe ausgespielt wird. Privat finanzierte Projekte erhalten eine dem Thema ansonsten vorenthaltene öffentliche Aufmerksamkeit. Die Idealisierung der ehrenamtlichen Helfer verschleiert, dass Professionalität notwendig ist, damit Hilfegewährung sich nicht wieder reduziert auf Alm0senverteilung. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit entsteht häufig ein verengtes Bild, das dazu führt, dass die Befriedigung von materiellen Grundbedürfnissen mit der Beseitigung von Armut an sich gleichgesetzt wird. Gesicherte Rechtsansprüche sind jedoch eine Voraussetzung zur sozialen Absicherung und gesellschaftlichen Reintegration von wohnungslosen Menschen. Ehrenamtliche Hilfe ist abhängig von Zeit, Engagement, Mitgefühl und der Bereitschaft, sich persönlich einzusetzen. Die Praxis zeigt, dass Sozialleistungsträger mit dem Ausbau privater Hilfen Ansprüche Wohnungsloser rechtswidrig einschränken und darüber hinaus die Politik nicht selten der Versuchung erliegt, sich für nicht mehr zuständig zu erklären. Allerdings: Wo später ehrenamtliche Hilfe ausbleibt, kommt nicht automatisch das gesetzlich garantierte Recht zurück. Professionell organisierte und ehrenamtliche Hilfe dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Denn der Erhalt bürgerschaftlicher Rechte und deren Durchsetzung für ` gesellschaftlich ausgegrenzte Wohnungslose ist die zentrale Errungenschaft der Wohnungslosenhilfe in den vergangenen Jahrzehnten.
Zukunftsaufgaben Zur Verbesserung der Lebensqualität sozial Benachteiligter und zur Normalisierung ihrer Lebenslage ist die Kooperation der ehrenamtlichen und der organisierten Hilfe und Bündnisse gegen die gesellschaftliche und soziale Ausgrenzung Wohnungsloser unverzichtbar geworden. Offensiver als bisher muss der alltägliche Skandal im Umgang mit Wohnungslosen thematisiert werden, insbesondere die alltägliche Gewalt in Form von Vertreibung aus dem öffentlichen Raum durch kommunale und private Sicherheitskräfte. Dabei ist die Gemeinwesenorientierung eine zwingende Handlungsebene mit dem Ziel, zum Wohl von Wohnungslosen Teil eines sozialen Netzes zu werden. Dies setzt die Kooperation von professioneller und ehrenamtlicher Hilfe voraus. Erfolgreiche Kooperation aller Beteiligten im Interesse der Wohnungslosen ist jedoch nicht zu haben ohne die Verständigung über Handlungsmotive, Handlungslegitimationen und Handlungsziele, eine Situationsanalyse und das Reflektieren des eigenen Handelns. Die bisher erfolgte, vorsichtige Öffnung des Hilfesystems hat zu einem neuen gesellschaftlichen Bewusstsein geführt, mit Antworten, die nicht allein im Hilfesystem entstanden sind. Im Dialog mit Ehrenamtlichen, Selbsthilfeinitiativen und Sponsoren liegen Chancen zu neuen Bündnissen, welche die professionelle Hilfe ergreifen muss,
Evangelische Obdachlosenhilfe e.V. |














