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Im Keller durch den kalten Winter PDF Print E-mail
Written by Administrator   
Tuesday, 28 December 2010 21:57
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„Behalte einen vollen Magen, und du frierst nicht.“ Das Überlebensprinzip von Alexander N. klingt einfach, seine Lebensumstände sind es nicht. Am Tag versucht sich der 33-Jährige mithilfe seiner Gitarre in der Innenstadt ein paar Euro zu erspielen. In der Nacht kriecht er in einem Keller unter. Dort sei es „verdammt kalt“, aber wenigstens gebe es ein Sofa, erzählt der Amerikaner, der vor drei Monaten in Hannover gestrandet ist.
Ihm und anderen Wohnungslosen stehen nun einige besonders harte Nächte bevor: Die Wetterdienste sagen Temperaturen von minus zehn Grad und niedriger voraus. Straßensozialarbeiter versuchen derzeit, Menschen wie Alexander N. aus der Kälte zu holen. Aber nicht alle ließen sich davon überzeugen, in eine der Notschlafstellen zu gehen, erklärt Gottfried Schöne, Leiter der Zentralen Beratungsstelle (ZBS) beim Diakonischen Werk. Deswegen hätten die Mitarbeiter des von der Stadt Hannover unterstützten Winternotprogramms bereits im Oktober begonnen, Obdachlose gezielt anzusprechen, um nach und nach deren Vertrauen zu gewinnen. „Jetzt zahlt sich das aus“, sagt Schöne. Neben mehreren Hilfsorganisationen ist auch die Polizei in das Projekt eingebunden.
Über die Notfalltelefonnummer (0511) 990 40 15 meldeten Bürger regelmäßig Personen, die ihnen hilflos vorkämen.
So seien bereits einige bisher unbekannte Obdachlose entdeckt worden. „Es ist gut, dass wir die kennen“, sagt Schöne auch im Hinblick auf die kommenden Nächte. Sie könnten so gezielt mit Schlafsäcken, Isomatten und Kleidung versorgt werden. Am Montagnachmittag sucht Alexander N., wie etwa 15 andere Obdachlose, Zuflucht im Vorraum der öffentlichen Toiletten in den Katakomben des ZOB. Die Stimmung ist aggressiv. Schnaps- und Weinflaschen kreisen. Zwei Männer prügeln sich am Treppenaufgang. Einer der beiden flüchtet vor den Tritten des anderen nach oben. „Ja, das passiert hier schon mal, wenn jemand klaut“, sagt eine 30-Jährige im Trainingsanzug. Mehr als ein Schulterzucken ist ihr die Auseinandersetzung nicht wert.
Am ZOB macht immer dienstags und donnerstags der Kältebus der Johanniter Station. Ehrenamtliche Mitarbeiter seien bei ihrer abendlichen Tour „unterwegs in Sachen warme Getränke“, erklärt Johanniter-Sprecherin Susanne Reinhardt. Auch eine heiße Suppe oder Decken seien häufig an Bord. „Das hat sich rumgesprochen und wird entsprechend genutzt“, sagt sie.
Weitere Stationen der Helfer sind an der Lutherkirche, dem Opernhaus und der Musikhochschule. In der U-Bahn-Haltestelle am Kröpcke dürfen Obdachlose je nach Wetterlage etwa ab 20 Uhr ihr Nachtlager aufschlagen. Fünf oder sechs versammelten sich derzeit Nacht für Nacht unter den Rolltreppen, sagt Joachim Arndt von der Firma Protec, die für die Sicherheit in den U-Bahn-Stationen zuständig ist. Notschlafstellen gibt es zudem für Männer im Bunker am Welfenplatz, für Frauen am Vinnhorster Weg. Alexander N. will zunächst in seinem Keller bleiben. Noch sei er nicht erfroren, sagt der 33-Jährige lapidar. Am Tag bleibe er in Bewegung. „Ich bin nicht gebrochen“, sagt er. „Ich kann Gitarre spielen.“ Lieber würde er auf der Straße schlafen, als Geld vom Staat zu bekommen. Dann verlässt er die ZOB-Katakomben, um sich einen Burger zu holen, denn Essen halte ihn wenigstens einigermaßen warm.
 
Quelle: 28.12.2010 / HAZ Seite 15 Ressort: HANN
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