| Besuch bei der Boulevardzeitung Augustin in Wien |
|
|
|
| Written by Jürgen |
| Sunday, 29 May 2011 10:42 |
|
Default text Im Rahmen meines Arbeitsbesuches in Wien (Österreich) vom 23. -28. Mai 2011 besuchte ich den ursprünglich als Straßenzeitung für Obdachlose, Arbeitslose, Asylbewerber und andere Randgruppen gegründeten Verein "Augustin". Riki, Sozialarbeiterin und Mitbegründerin vom Augustin empfing mich und meinen österreichischen Gastgeber bei einem ersten Besuch in den Räumen der Redaktion. Es war ein interessantes, informatives und spannendes Gespräch, das mir die inzwischen vielfältige Arbeit der JournalistInnen, GrafikerInnen und SozialarbeiterInnen näherbrachte. Die Zeitung Augustin Haupteingang des Vereins
Der Augustin wurde 1995 nach dem Beispiel amerikanischer, britischer oder französischer Straßenzeitungen gegründet. Der Verkauf der Straßenzeitungen hilft Menschen, die aus verschiedenen Gründen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind (Obdachlosen, Langzeitarbeitslosen, AsylbewerberInnen u.a.), ihre Not zu lindern. Professionelle SozialarbeiterInnen des Augustin sind an ihrer Seite. Vorrangiges Ziel der Augustin-Sozialarbeit ist aber nicht, die Marginalisierten „jobready“ zu machen, sondern ihren Ausbruch aus der Entmündigung zu fördern.
Radio Augustin
RADIO AUGUSTIN, gesendet auf Orange, dem Freien Radio in Wien, versteht sich als Sprachrohr und Lobby für marginalisierte Menschen und als Informationsquelle für gesellschaftspolitisch Interessierte. TV Augustin TV Augustin Seit Dezember 2005 sendet Augustin TV auf dem Community TV Sender OKTO in drei verschiedenen Sendeformaten. Augustin TV zeigt Reportagen und Portraits. In eingSchenkt thematisiert der Sozialexperte Martin Schenk Fragen zu Arbeitslosigkeit, Armut, Ausgrenzung, Integration, Empowerment. Augustin TV auf youtube EingSCHENKt auf youtube AugustinTV auf facebook Die Schreibwerkstatt Die Schreibwerkstatt ist das älteste „Projekt im Projekt“. Es bestand schon vor dem Erscheinen der ersten Augustin-Ausgabe. Seit 1995 haben Menschen, die im Augustin publizieren wollen, die Möglichkeit, ihre Kreativität in Worten auszudrücken. Eine regelmäßige 8-seitige Rubrik im Augustin (Dichter Innenteil) gibt ihren Texten, ob Kurzprosa oder Lyrik, Raum, der ihnen in anderen Medien verwehrt bleibt. Chor STIMMENGEWITTER Chor Stimmengewitter Augustin Aus dem Umfeld dieser Zeitung erwuchs im Jahr 2000 das STiMMENGEWITTER AUGUSTIN, ein heute 9-köpfiger Chor. Gestartet als der musikalische Arm einer Unternehmung, die die sogenannten „Ränder der Gesellschaft“ und vor allem die Menschen, die an diesen leben neu ausleuchten will. Ohne Helfer-Syndrome und Elends-Romantik. Die das Feld der Kultur bestellende Ausprägung einer reflektiert und unermüdlich tätigen Selbstermächtigungs-maschine. Eine Stimmerhebung im reinsten und schönsten Sinn. Längst hat dieser Chor ein beeindruckendes musikalisches Eigenleben. Als viel- und weitgereiste Live-Attraktion ebenso wie auf „Konserve“. Die ausverkaufte Debüt-CD erschien 2003, „Kitsch & Revo“ folgte 2007. Ein Album, bei dem KünstlerInnen wie Bernadette La Hengst, Ja, Panik, Schorsch Kamerun (Goldene Zitronen), Fritz Ostermayer, Soyka/Stirner oder Texta um die manchmal brüllende, oft zärtliche, gelegentlich schräge, aber immer 100%ig beherzte und unverstellte Stimmgewalt des STIMMGEWITTER herum Musik gemacht haben. 11% K.THEATER Innenhof 11% K.Theater heißt die bunte Mischung von Augustin VerkäuferInnen die, neben aktionistischen Performances im öffentlichen Raum, jährlich ein neues Theaterstück auf die Bühne bringt. Keine vorgeschriebenen „alten Schinken“ sondern lebendig und lustvoll inszeniertes Leben. Neben szenischem Theater wird auch mit Improvisationstheaterelementen gearbeitet, auf Bühnenbild und Requisiten wird zugunsten der Ausdruckskraft verzichtet. Die SchauspielerInnen wollen dem Publikum ihre humorvolle und kreative Seite zeigen und sich gemeinsam mit ihm ins Abenteuer stürzen. Fußball Club Schwarz-Weiss Augustin Schwarz-Weiß sind nicht einfach zufällig gewählte Vereinsfarben. Die Fußball-Abteilung des „Gesamtkunstwerks Augustin“ unterstreicht mit diesem Namen die Präsenz farbiger Kicker in der Mannschaft. Etwa 2002, als die ersten afrikanischen AsylwerberInnen (und die nach negativen Asylerfahren zu „illegalen Ausländern“ Erklärten) den Augustinverkauf als Überlebens- und Intergrationsmittel für sich entdeckten, war sowohl für die Sozialarbeit im Augustin-Projekt als auch für die publizistische Arbeit neuer Handlungsbedarf gegeben: antirassistische Interventionen wurden notwendig. Temporär schien die Lage zu eskalieren: Sowohl innerhalb der VerkäuferInnengruppe als auch unter KäuferInnen der Straßenzeitung, die die neue Buntheit des Augustin-Vertriebs nicht als positiv bewerteten, machten sich Ressentiments bemerkbar. Sie führten zu Konflikten, die das Augustin-Team zunächst zu überfordern schienen. Als nahezu einzige soziale Einrichtung, die für inländische und ausländische, ja selbst für „papierlose“ Hilfsbedürftige gleich offen steht, konnte der Augustin kaum auf Erfahrungen zurück greifen. Dennoch gelang die Deeskalation. Heute ist die Präsenz dunkelhäutiger VerkäuferInnen im Stadtbild zu einer „Selbstverständlichkeit“ geworden, vereinzelte Irritationen, Missverständnisse und Feindseligkeiten ausgenommen. Mein zweiter Besuch beim Augustin gab mir Einsicht in die verschiedensten Aktionen der Macher; Radio, TV usw. Selbst ein eigener Server ist vorhanden. Ich hatte auch die Möglichkeit bekommen mit einigen Mitarbeiter des Augustins zu reden. Es ist sehr beeindruckend, was in den 16 Jahren seit Gründung des Augustin entstanden ist. Ich habe noch erfahren dass der Augustin auch einen Kulturpass ausgibt. Der Kulturpass ermöglicht den benachteiligten Menschen bei freien Eintritt an Kulturveranstaltungen teilzunehmen. Weitere Informationen zum Verein findet man auf der Homepage |
| Last Updated on Sunday, 29 May 2011 11:38 |














