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Der Zugnomade PDF Print E-mail
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Er hat keine Wohnung, aber er ist kein Obdachloser. Er lebt und schläft in Zügen. Für die „Bahncard 100“ sammelt er Pfandflaschen. Verspätete Züge sind Einnahmequelle. Von einem Leben mit Stopps, aber ohne Halt.

Von Uwe Ebbinghaus

Sieben Uhr morgens ist die Lounge im Bahnhof noch leer. Ein paar Pendler sitzen auf den roten Ledergarnituren des mit Parkett ausgelegten Warteraums, schlürfen in halbgeöffneten Outdoor-Jacken ihren Gratiskaffee oder blättern in den ausliegenden Zeitungen mit dem Aufkleber „Wir bitten um Rückgabe“. Auf den Fernsehern unter der Decke läuft n-tv, immer ohne Ton.

Wer hineinmöchte, in den Comfort-Bereich der Deutschen Bahn, braucht entweder eine Bahncard für Vielfahrer oder eine Fahrkarte der ersten Klasse. Beim Eintritt wird die Berechtigung am Service-Desk mit fast übertriebener Aufmerksamkeit geprüft. Doch dann schlurft ein Mann ohne Jacke mit Arbeitsschuhen und schmutzigen Taschen hinein, grüßt die Lounge-Mitarbeiter freundlich, lächelt wissend und geht einfach durch.

Er legt sein Gepäck ab, holt sich mehrere Zeitungen, setzt sich in die hinterste Ecke, legt mit flüssigen Handgriffen einen Wissenschaftsteil frei und beginnt mit der Lektüre. Irgendwann steht er auf und löst sich am Automaten eine Bouillon. Er wirkt müde, beachtet niemanden. Mit seiner abgetragenen Hose, dem gestreiften, etwas speckigen Hemd und dem nicht eben sauberen Pullover sieht er aus wie ein Obdachloser. Er ist aber keiner. Die Deutsche Bahn ist sein Obdach.

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