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Wer schon mal in der Situation war, ganz plötzlich Arbeits- und Wohnungslos geworden zu sein, dem werden die folgenden Zeilen vielleicht bekannt vor kommen und nichts weiter als ein Schmunzeln abringen. Wer allerdings immer noch in seiner recht heilen Welt lebt und Obdachlose nur aus der U-Bahn, oder von der Strasse her kennt, der wird hier Informationen bekommen, die er, oder Sie vielleicht miemals haben wollte.
Prolog
„Dit hab ick doch gemacht jehabt, du Volleimer!“, schrie Günther, in seiner unnachahmlichen Art, bei der ihm der Sabber links aus dem, größtenteils Zahnlosen Mund heraus lief. Wobei ihm immer ein Stück Ravioli von Aldi im Bart klebte, die er so sehr liebte weil er sie kauen konnte.
„Ick hab der jesacht..., wat war dit jetzt noch...? Du machst mir immer janz bekloppt, du Idiot, wenn du mir so anschreist.“
„Wat?! Icke?!, schrie jetzt Steven, der zwar knapp 30 Jahre Jünger war, aber wegen seiner besonderen Fähigkeit Bier zu besorgen, nicht nur bei den Bewohnern des Linken Flügels des dritten Stocks, sondern eben auch bei Günther besonders beliebt war. „Ick hab jar nich jeschrien. Du bist schon bekloppt, dit iss allet.“
„Ick hab der jesacht...“, unterbrach ihn ihn Günther wieder, „Ich hab der jesacht..., wenn se mir dit Geld nu nicht jeben tut..., denn mach ick aber...,äh, warte mal, wat hab ick jetze jesacht?“
„Na mit die Olle, wejen dit Jeld“, wollte Steven helfen, ohne dabei die Lautstärke wirklich zu senken. „Die von Amt...“
„Bist du bekloppt?!“, kam jetzt wieder Günther. „Ick hab doch grade jesacht, dass ick...“
„Maaaaan, Fresse ihr beeden Hirnis“, schallte es plötzlich aus der Tür von Rudi, der sich in Feinrippunterhose und sonst gar nichts, am Türrahmen festhielt. “Iss erst zwölfe Mittachs und ihr blökt hier schon wieder rum..., ick hau euch beeden Heinis uff de Fresse!“
„Uff de Fresse“ war Stevens, wie soll ich sagen, Codewort. Nichts hatte seinen, knapp 20 jährigen, Geist so geprägt, wie die drei Worte „Uff de Fresse!“
Sein Körper spannte sich an, wie bei einem Raubtier, daß sich auf den Sprung auf eine Beute vorbereitete. Seine Augen wurden zu Schlitzen und man glaubte ein Glitzern aus Ihnen kommen zu sehen. Seine Fäuste ballten sich, so das die Knöchel ganz weiß wurden. Er atmete tief ein und dann explodierte es aus ihm heraus, daß selbst einem russischen Mafia Boss in dem Moment der Arsch auf Grundeis gegangen wäre.
„Altaaaaaaaaaaaaa! Wer hier wen eens uff de Fresse haut, wirst de gleich sehen!“
Dabei baute er sich, teilweise auf die Zehenspitzen gehend, vor ihm auf. „Ick hau dir so eene uff de Fresse, das dir die Pothese aus´m Arsch raus kommt...“ Dabei hatte er das Wortspiel mit der Pothese nicht beabsichtigt. Seine Faust mit den inzwischen Blutleeren Fingern zitterte vor Rudis Gesicht herum.
Alle die noch dazu in der Lage waren, im linken Flügel des dritten Stocks rissen ihre Türen auf. Weniger weil sie sich gestört fühlten, sondern weil es schlicht eine willkommene Abwechslung war.
„Ey, was iss denn da los, muss ich mir Sorgen machen?“, fragte mich Ronald.
„Nee, nee...“, meinte ich und öffnete die Tür.
„Dit iss nur ´ne janz normale Mittagsunterhaltung.“ Ich überlegte kurz, ob ich noch hinzufügen sollte, sich die Kollegen mal nachts rein zu ziehen, verzichtete dann aber, mit Rücksicht auf Ronalds, sowieso schon sehr blasse Gesichtsfarbe, darauf.
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