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"Sie werden es nicht glauben, aber es gibt soziale Staaten, die von den Klügsten regiert werden; das ist bei den Pavianen der Fall" (Konrad Lorenz 1930-1989)
An einer Realität kann jedoch keiner vorbei. Tausende Einwohner Vancouvers leben in dürftigen Unterschlüpfen in Straßen und Parks oder wohnen in winzigen verdreckten Wohnungen. Von den 2000 Obdachlosen, die im Großraum Vancouver ums Überleben kämpfen, sind alleine in Downton Eastside (DTES) 700 auf der Straße, in Hauseingängen, neben Mülltonnen zu finden. Die HIV-Infiziertenrate ist enorm hoch.
Aktivisten veranstalteten am vergangenen Sonntag aus Protest gegen die Vielzahl der Obdachlosen in Vancouver und der allgemein wachsenden Armut „Olympische Spiele der Armut. "Der Protest richtet sich dagegen, dass die 'Weltklasse-Stadt' Vancouver auch „Weltklasse bei der Armut ist", hieß es auf der Ankündigung von Bedbugger.com.
Viele Obdachlose kritisieren die Spiele und zogen mit den sogenannten „Poverty Olympics“ kurz vor Beginn der Winterspiele in Vancouver das Medieninteresse auf sich. Wendy Pederson ist die Organisationschefin der „Spiele der Armut“. Sie veranstaltet unter anderem einen "Slalom der gebrochenen Versprechen". Ihr Ziel: Die dunkle Seite der Olympiastadt ans Licht bringen, Aufmerksamkeit schaffen für die Obdachlosen, die sozial Abgestürzten. Sie sagt: "Mit den sechs Milliarden Dollar, die für die Olympischen Spiele ausgegeben wurden, hätte man das Problem der Obdachlosigkeit in ganz Kanada auf einen Schlag lösen können."
Richard Bonner gehört ebenfalls zu den Veranstaltern der "Spiele der Armut". Gerade ist der Fackellauf durch DTES zu Ende gegangen, Richard Cunningham hat seine selbst gebastelte Fackel in das proppenvolle Gemeindezentrum, die Japanese Hall getragen. Er entzündet das "Beendet-die-Armut-Feuer". Der "Poverty Olympics"-Chor singt, mit Inbrunst, recht schräg und mit zahnlosem Grinsen, die umgetextete kanadische Nationalhymne: "Oh Canada, wir schämen uns für dich." Jetzt folgt die offizielle Eröffnungsrede. "178 Millionen Dollar für eine Eisschnelllaufbahn", ruft Bonner in den Saal. "Mit dem Geld hätten 890 neue, dringend benötigte Wohnungen gebaut werden können." Das erwähnte Oval, umgerechnet etwa 120 Millionen Euro teuer, steht im Stadtteil Richmond. 26 Prozent der Menschen dort gelten als arm.
Was Wendy Pederson und Richard Bonner so wütend macht: Es hat von den Olympia-Organisatoren und von den Stadtvätern weitreichende Versprechungen zur Verbesserung der Lage gegeben. Tatsächlich wurden auch 800 Wohneinheiten angekauft, die den sozial Schwachen zugänglich gemacht wetden sollen. "Das ist nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Wendy Pederson, die wie Mitstreiter Bonner auch keinen Hehl daraus macht, dass sie die echten Olympischen Spiele am liebsten gar nicht in Vancouver gesehen hätte. Sechs Milliarden Dollar: "Damit hätten sie die Armut in Vancouver auslöschen können", behauptet Bonner. Es gibt selbstverständlich auch Maskottchen für die außergewöhnlichen Spiele: Eine Wanze, eine Kakerlake und eine Ratte. Dann die "Wettbewerbe": Der absolute Höhepunkt: ein Eishockeyspiel. Die Mannschaft des Olympia-Organisations-Komitees, die "VANOC Predators", gegen eine Truppe der Armen, die "Pigeonhole Eagles". Die Anzugträger gehen in Führung, der Schiedsrichter ist parteiisch, er schickt "Gordie Homeless" in die Kabine. Die "Adler" aus den "Ablagefächern" kämpfen unverdrossen weiter, angefeuert vom Publikum. Das "Miracle on Ice", das Wunder auf dem Eis, das vor 30 Jahren den US-Eishockeyspielern gegen Russland gelang, wiederholt sich: zwei Treffer, die "Räuber" des VANOC verlieren 1:2.
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